
Ein hoher maximaler Wirkungsgrad auf dem Datenblatt sagt noch nicht, wie sparsam ein Stromspeicher nachts arbeitet. Entscheidend sind auch die Verluste bei kleiner Entladeleistung, der Eigenverbrauch und die betrachteten Komponenten. Dieser Ratgeber hilft Ihnen, Effizienzangaben zu prüfen und dem Anbieter konkrete Fragen zu stellen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Prüfen Sie, ob eine Prozentangabe die Batterie, den Wechselrichter oder den vollständigen Lade- und Entladeweg beschreibt.
- Lassen Sie sich die Entladeeffizienz bei geringer Leistung und den Verbrauch im Bereitschaftsbetrieb nennen.
- Vergleichen Sie Testergebnisse nur für die angebotene Gerätekombination und denselben Referenzfall.
Wirkungsgrad des Stromspeichers: Welche Komponenten sind gemeint?
Beim Speichern und späteren Nutzen von Strom geht Energie verloren. Eine Angabe wie „Wirkungsgrad 97 Prozent“ ist deshalb erst verständlich, wenn der betrachtete Weg danebensteht. Der Batteriewirkungsgrad beschreibt nicht automatisch die Verluste des Wechselrichters. Ein Spitzenwert für die Umwandlung beim Laden erfasst wiederum nicht den späteren Entladevorgang.
Fragen Sie bei jeder Prozentangabe nach Ein- und Ausgang, Betriebsbedingungen und enthaltenen Komponenten. Geht es um Gleichstrom an der Batterie oder um Wechselstrom für den Haushalt? Ist nur ein günstiger Betriebspunkt angegeben oder ein Mittelwert über mehrere Leistungen? Sind Bereitschaftsverbrauch und Regelungsverluste enthalten? Ohne diese Angaben lassen sich zwei Werbezeilen nicht sinnvoll vergleichen.
Die Stromspeicher-Inspektion 2026 der HTW Berlin und aquu unterscheidet Batterie- und Wechselrichterverluste und betrachtet auch den Bereitschaftsbetrieb. Für eine vereinfachte Abschätzung eines vollständigen Speicherwegs werden die passenden Teilwirkungsgrade miteinander multipliziert.
Eigene Rechenannahme: Haben drei aufeinanderfolgende Schritte jeweils 95 Prozent Wirkungsgrad, bleiben rechnerisch 0,95 × 0,95 × 0,95 = 0,857, also rund 85,7 Prozent. Das ist kein Produktwert und keine Jahresprognose. Weitere Verluste sowie wechselnde Betriebsbedingungen sind in diesem Beispiel nicht berücksichtigt. Es zeigt, weshalb ein einzelner hoher Teilwert nicht den vollständigen Speicherweg beschreibt.
Warum die Effizienz bei kleiner Entladeleistung zählt
Ein Wechselrichter arbeitet nicht den ganzen Abend mit seiner Nennleistung. Sind nur Kühlschrank, Router und wenige weitere Geräte aktiv, liegt der Bedarf deutlich unter dem Betrieb mit gleichzeitig eingeschaltetem Herd und anderen großen Verbrauchern. Dieser Betrieb mit einem kleinen Teil der möglichen Leistung heißt Teillastbetrieb.
Die HTW-Studie 2026 beschreibt nächtliche Entladeleistungen häufig im Bereich von 100 bis 300 Watt und prüft die Umwandlungseffizienz auch bei Leistungen unterhalb von 500 Watt. Das ist eine Beobachtung aus der Studie, kein feststehender Wert für jeden Haushalt. Die gemessenen Unterschiede zeigen, warum die Wirkungsgradkurve bei kleinen Leistungen aussagekräftiger sein kann als nur der maximale Datenblattwert.
Bitten Sie um den Entladewirkungsgrad beispielsweise bei 100, 200 und 300 Watt oder um eine vollständige Kennlinie. Fragen Sie nach, wenn nur „bis zu“ genannt wird. Eine fehlende Kennlinie beweist noch kein schlechtes Gerät; sie bedeutet aber, dass dieser Vergleichspunkt offen bleibt. Lassen Sie fehlende Angaben nicht durch eine mündliche Zusage ersetzen.
Die passende Speicherkapazität bleibt eine eigene Frage. Unser Ratgeber Solaranlage mit Speicher: Welche Größe passt zum Verbrauch? behandelt die Auslegung und den Abendverbrauch. Hier prüfen Sie ergänzend, wie viel Energie auf dem Speicherweg verloren geht.
Standby-Verbrauch: Aus Watt werden Kilowattstunden
Auch ohne nennenswerte Energieabgabe können Elektronik und Steuerung Strom benötigen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, diesen Eigenverbrauch zu beachten. Die HTW-Inspektion 2026 berichtet bei den untersuchten Systemen beispielsweise über Bereitschaftswerte von 4 Watt bis 64 Watt. Diese Spannweite gilt für die getesteten Kombinationen und Messbedingungen; sie ist keine Marktgrenze.
Mit einer klar dokumentierten Betriebsdauer können Sie eine Angabe überschlägig umrechnen:
Energie in kWh = Leistung in Watt × Stunden ÷ 1.000.
Fiktives Beispiel: 10 Watt während 4.000 Stunden ergeben 40 kWh. Bei angenommenen 0,30 Euro je kWh wären das 12 Euro, falls diese gesamte Energiemenge aus dem Netz bezahlt werden müsste. Beide Werte sind eigene Rechenannahmen, keine aktuellen Tarifangaben. Der tatsächliche Geldbetrag hängt unter anderem davon ab, wann und aus welcher Quelle das System diesen Strom bezieht.
Multiplizieren Sie einen Bereitschaftswert nicht automatisch mit allen 8.760 Stunden eines gewöhnlichen Jahres: Die Anlage kann zeitweise laden, entladen oder in einem anderen Betriebszustand arbeiten. Fragen Sie nach dem Zustand, in dem gemessen wurde, etwa bei leerer Batterie. Prüfen Sie außerdem, ob dieser Verbrauch in einer angebotenen Jahresberechnung bereits berücksichtigt ist. Andernfalls zählen Sie dieselben Verluste möglicherweise doppelt.
Was der System Performance Index aussagt
Der System Performance Index (SPI) ist die Systembewertung der HTW-Stromspeicher-Inspektion. Auf Basis von Labormessungen wird der Jahresbetrieb in festgelegten Referenzfällen simuliert. Dabei gehen mehrere Verlustarten ein. Ein SPI-Wert ist deshalb etwas anderes als ein einzelner Batteriewirkungsgrad oder die Quote „ausgespeicherte Energie geteilt durch eingespeicherte Energie“.
Die Studie unterscheidet SPI (5 kW) und SPI (10 kW), mit unterschiedlichen Referenzbedingungen. Vergleichen Sie nur Angaben innerhalb desselben Referenzfalls. Prüfen Sie Batterie, Wechselrichter und die genaue Ausführung: Ein Testergebnis für eine ähnliche Produktfamilie muss nicht für die Ihnen angebotene Kombination gelten.
Ein gutes Testergebnis ist eine hilfreiche Orientierung, aber keine Zusage für Ihren Jahresverbrauch oder Ihre Stromrechnung. Der vollständige Studienbericht 2026 erklärt die Methodik und die geprüften Systeme. Lassen Sie sich zusätzlich die Annahmen Ihrer individuellen Angebotsrechnung geben.
Eine Vorlage für Ihre Anfrage an den Anbieter
Übernehmen Sie diese eigene redaktionelle Checkliste in Ihre Angebotsunterlagen. Halten Sie die Antwort für jede angebotene Gerätekombination getrennt fest.
- Geräte: Batterie ___; Wechselrichter ___; genaue Modell- und Ausführungsbezeichnung ___.
- Wirkungsgradangabe: betrachteter Energiepfad ___; enthaltene Komponenten ___; maximaler oder gemittelter Wert ___; Messbedingungen ___.
- Teillast: Entladeeffizienz bei 100/200/300 Watt ___; Kennlinie oder unabhängiger Prüfbericht ___.
- Bereitschaft: Verbrauch in Watt ___; Zustand der Batterie und aktive Funktionen beim Test ___.
- Systemtest: geprüfte Kombination ___; Testjahr ___; SPI-Referenzfall ___; Abweichungen zum angebotenen System ___.
- Jahresrechnung: angesetzte Energieverluste und Eigenverbrauch ___; verwendetes Verbrauchsprofil ___; offene Angaben ___.
Bewerten Sie Effizienz zusammen mit Preis, Service, Funktionen und der passenden Auslegung. Ein einzelner Prozentwert entscheidet nicht über das ganze Angebot. Unsere Checkliste für Photovoltaik-Angebote hilft, den übrigen Leistungsumfang auf dieselbe Grundlage zu bringen.
Nach der Installation: Warum App-Zahlen allein kein Effizienztest sind
Wenn Sie Lade- und Entladeenergiemengen aus einer App vergleichen, klären Sie zuerst ihre Messpunkte. Eine Zahl an der Batterie und eine Zahl am Hausanschluss beschreiben unterschiedliche Bereiche. Fragen Sie, ob Eigenverbrauch enthalten ist, ob die Werte gemessen oder berechnet werden und ob beide denselben Zeitraum erfassen.
Auch der Ladezustand am Anfang und Ende zählt: Eine am Ende stärker gefüllte Batterie enthält noch Energie, die später abgegeben werden kann. Ein einfacher Quotient für diesen Zeitraum würde sie zunächst als fehlend behandeln. Wechselnde Betriebsbedingungen und Messunsicherheit kommen hinzu. Verwenden Sie die Anzeigen deshalb zur Beobachtung und für Rückfragen; ein ungeklärter App-Quotient ersetzt keinen unabhängigen Labortest.
Bei auffälligen Werten notieren Sie Zeitraum, Ladezustände, Anzeigeeinheiten und Gerätemodelle. Bitten Sie den Fachbetrieb um die Erklärung der Messgrenzen. Öffnen Sie dafür keine elektrischen Gehäuse und verändern Sie keine Anlagenparameter auf Verdacht.
Quellen und Einordnung
Quellen geprüft am 13. Oktober 2026.
- HTW Berlin und aquu: Stromspeicher-Inspektion 2026
- Vollständiger Studienbericht: Teillast, Bereitschaftsverbrauch und SPI-Methodik
- Verbraucherzentrale: Batteriespeicher für Photovoltaikanlagen
Checkliste und ausdrücklich gekennzeichnete Rechenbeispiele sind eigene redaktionelle Arbeitshilfen. Der Artikel vergleicht keine konkreten Kaufangebote und ersetzt keine Anlagenplanung oder elektrische Prüfung.




