Sind fünf Prozent Ausschüttung auch fünf Prozent Rendite?

Auf dem Konto landen 500 Euro, das Depot ist gleichzeitig weniger wert. War das trotzdem ein gutes Anlagejahr? Wer Ausschüttung und Rendite trennt, erkennt, was mit dem gesamten eingesetzten Geld passiert ist.

Was unterscheidet Auszahlung und Anlageerfolg?

Eine Ausschüttung ist Geld, das eine Anlage an Sie auszahlt. Die Gesamtrendite betrachtet dagegen Auszahlung und Wertveränderung zusammen. Eine Ausschüttungsquote allein beschreibt deshalb noch keinen Gewinn.

Auch die Bezugsgröße zählt: 500 Euro entsprechen fünf Prozent eines Einsatzes von 10.000 Euro, aber nur vier Prozent von 12.500 Euro. Lesen Sie bei Prozentangaben stets, auf welchen Wert und welchen Zeitraum sie sich beziehen. Eine erwartete Zahlung ist außerdem noch keine tatsächlich erfolgte Zahlung.

Wie können fünf Prozent Ausschüttung einen Verlust bedeuten?

Eigenes, vereinfachtes Jahresbeispiel: Sie beginnen mit einem Anlagewert von 10.000 Euro. Während des Jahres erhalten Sie 500 Euro. Am Jahresende sind die verbliebenen Anteile 9.000 Euro wert. Es gab keine weiteren Käufe oder Verkäufe; die Ausschüttung wurde nicht wieder angelegt. Steuern und zusätzliche Kosten bleiben unberücksichtigt.

(9.000 + 500 − 10.000) ÷ 10.000 × 100 = −5 Prozent

Die Ausschüttung beträgt zwar fünf Prozent des Anfangswerts. Insgesamt sind aber nur noch 9.500 Euro vorhanden: 9.000 Euro Anlagewert und 500 Euro ausgezahltes Geld. Der wirtschaftliche Verlust beträgt 500 Euro.

Im Gegenbeispiel sind die Anteile am Ende 10.300 Euro wert und es wurden ebenfalls 500 Euro ausgeschüttet. Dann ergeben sich 800 Euro Gewinn beziehungsweise acht Prozent Gesamtrendite. Beide Rechnungen zeigen nur einen Zusammenhang. Sie sagen nichts darüber, welche Entwicklung eine konkrete Anlage künftig erreicht.

Wie prüfen Sie Ihre eigene Jahresabrechnung?

  1. Zeitraum festlegen: Verwenden Sie denselben Anfangs- und Endtag für sämtliche Werte.
  2. Anfangswert aufschreiben: Gemeint ist der Wert der Anlage zu Beginn des untersuchten Zeitraums, nicht automatisch der ursprüngliche Kaufpreis vor vielen Jahren.
  3. Auszahlungen addieren: Erfassen Sie die zum Zeitraum gehörenden Zahlungen. Für einen Vergleich vor Steuern brauchen Sie Bruttobeträge; für Ihren persönlichen Geldzufluss sind Nettobeträge relevant.
  4. Endwert hinzufügen: Nehmen Sie den aktuellen Wert der verbliebenen Anlage und rechnen Sie ausgezahltes Geld hinzu.
  5. Zusätzliche Einzahlungen prüfen: Bei Sparplänen, Teilverkäufen oder Wiederanlagen reicht die einfache Formel häufig nicht. Sonst zählen Sie eigenes nachgeschobenes Geld womöglich als Ertrag.

Besonders wichtig: Wurde die Ausschüttung sofort wieder angelegt und steckt sie bereits im Endwert, darf sie nicht noch einmal als separat vorhandenes Geld hinzugezählt werden. Einzahlungen zu verschiedenen Zeitpunkten verlangen eine Berechnung, die diese Zahlungszeitpunkte berücksichtigt.

Wie vergleichen Sie ausschüttende und wiederanlegende Fonds?

Ein wiederanlegender, auch thesaurierender Fonds behält Erträge im Fonds. Ein ausschüttender Fonds zahlt sie aus. Ein reiner Kursvergleich kann diese unterschiedliche Behandlung verzerren. Prüfen Sie deshalb eine Wertentwicklung, die Ausschüttungen einbezieht.

Der Fondsverband BVI rechnet Ausschüttungen für seine Wertentwicklungsstatistik unmittelbar in neue Anteile um. Das ermöglicht den Vergleich beider Varianten. Die darin enthaltenen Fondskosten sind von persönlichen Depotkosten, Steuern und gegebenenfalls Kaufkosten zu unterscheiden. Fragen Sie bei jeder Vergleichsgrafik nach ihrer Berechnungsmethode.

Welche Fragen bleiben bei hohen Ausschüttungen offen?

Ist eine regelmäßige Ausschüttung garantiert?

Aus der bisherigen Regelmäßigkeit lässt sich keine Garantie ableiten. Prüfen Sie die konkreten Anlagebedingungen und ob Höhe oder Zahlung ausfallen können. Je nach Produkt drohen erhebliche Verluste bis zum Totalverlust.

Ist ein Fonds mit höherer Ausschüttung besser?

Das lässt sich daraus nicht schließen. Stellen Sie mindestens Gesamtrendite, Risiken, Kosten und Ihren Bedarf an laufenden Auszahlungen gegenüber. Zwei Anlagen mit gleichem Auszahlungssatz können sich beim verbleibenden Vermögen sehr unterschiedlich entwickeln.

Welcher Wert gehört auf meinen persönlichen Merkzettel?

Notieren Sie nebeneinander: Anfangswert, Endwert, tatsächlich erhaltene Auszahlungen und sämtliche eigenen Ein- oder Auszahlungen. Diese vier Angaben schaffen mehr Klarheit als eine einzelne Prozentzahl im Werbetext.

Allgemeine Information für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland, keine individuelle Anlageberatung und keine Empfehlung eines bestimmten Produkts. Stand und Quellenprüfung: 3. Oktober 2026. Eigene Rechenbeispiele dienen ausschließlich der Erläuterung; sie sind keine Prognosen.

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