Was unterscheidet grüne Anleihen von Anleihen mit Nachhaltigkeitszielen?

Zwei Anleihen werben mit Nachhaltigkeit, doch nur bei einer soll das eingesammelte Geld ausdrücklich in grüne Projekte fließen. Der Unterschied steckt im Vertrag. Die Begriffe Green Bond und Sustainability-Linked Bond beschreiben verschiedene Ansätze.

Woran wird die Nachhaltigkeit jeweils festgemacht?

Bei einem klassischen Green Bond, also einer grünen Anleihe, ist die Verwendung der Erlöse grundsätzlich für bestimmte grüne Projekte vorgesehen. Häufig fällt dafür der englische Begriff Use of Proceeds: Entscheidend ist, wofür das Geld eingesetzt werden darf.

Bei einem Sustainability-Linked Bond stehen dagegen vereinbarte Nachhaltigkeitsziele des Emittenten im Mittelpunkt. Der Emittent ist das Unternehmen oder die andere Stelle, die die Anleihe ausgibt und die Zahlungen schuldet. Werden festgelegte Ziele verfehlt, kann sich beispielsweise der zu zahlende Zins erhöhen. Die Bundesbank beschreibt diese Unterscheidung in ihren Informationen zu nachhaltigkeitsgebundenen Anleihen.

Aus der Bezeichnung allein lässt sich nicht ableiten, dass bei einem Sustainability-Linked Bond das gesamte Geld ausschließlich für grüne Projekte verwendet wird. Maßgeblich bleiben die tatsächlichen Anleihebedingungen.

Welche Fragen passen zu welcher Anleihe?

PrüffrageGreen BondSustainability-Linked Bond
Worum geht es vor allem?Festgelegte Verwendung der ErlöseErreichen vereinbarter Nachhaltigkeitsziele
Was sollte erklärt sein?Zulässige Projekte, Auswahl und Zuordnung des GeldesKennzahlen, Ausgangswerte, Zieltermine und Vertragsfolgen
Welche Nachweise helfen?Berichte über Mittelverwendung und gegebenenfalls ProjektwirkungBerichte und Prüfungen zur Zielerreichung
Was bleibt separat zu prüfen?Zahlungsfähigkeit, Rang, Laufzeit und VerkaufsmöglichkeitenZahlungsfähigkeit, Rang, Laufzeit und Verkaufsmöglichkeiten

Diese Gegenüberstellung ist eine Orientierung für die Dokumentenprüfung. Ein konkretes Produkt kann zusätzliche Regeln oder kombinierte Merkmale besitzen.

Wie könnte eine zielabhängige Zinszahlung aussehen?

Frei erfundenes Vertragsbeispiel: Ein Unternehmen verspricht zunächst vier Prozent Jahreszins. Wird ein genau definiertes Emissionsziel zu einem festgelegten Termin verfehlt, steigt der Kupon für ein späteres volles Zinsjahr auf 4,25 Prozent.

Bei 2.000 Euro Nennwert sind es bei vier Prozent 80 Euro, bei 4,25 Prozent 85 Euro. Der zusätzliche Jahresbetrag beträgt fünf Euro.

Das Beispiel ist kein Marktangebot und keine Renditeprognose. Es zeigt, warum Anleger neben dem Ziel auch die finanzielle Konsequenz prüfen sollten. Ein Aufschlag um 0,25 Prozentpunkte sagt weder, ob ein Ziel ehrgeizig ist, noch ob die gesamte Anlage attraktiv ist. Sämtliche Zahlungen hängen weiterhin von der Zahlungsfähigkeit und den Vertragsbedingungen ab.

Wie prüfen Sie den Nachhaltigkeitsanspruch konkret?

  • Gegenstand beschreiben: Welches Projekt oder welcher Teil der Geschäftstätigkeit ist gemeint? Eine Verbesserung an einem Standort beschreibt nicht automatisch das gesamte Unternehmen.
  • Messung nachvollziehen: Welche Kennzahl wird verwendet, mit welchem Ausgangsjahr und welchem Zieltermin?
  • Berichtsweg finden: Wo veröffentlicht der Anbieter die spätere Mittelverwendung oder Zielerreichung? Legen Sie sich den Link bereits vor einem Abschluss ab.
  • Externe Beurteilung lesen: Was genau wurde geprüft, für welchen Zeitpunkt und mit welchen Einschränkungen? Ein Prüfbericht über Nachhaltigkeitsmerkmale ist keine Garantie der Rückzahlung.
  • Vertragsfolge suchen: Was passiert tatsächlich, wenn Mittel anders eingesetzt oder Ziele verfehlt werden? Verlassen Sie sich nicht auf eine Werbezusammenfassung.

Sind grüne Anleihen sicherer als andere Anleihen?

Die Nachhaltigkeitsbezeichnung allein belegt keinen geringeren Verlust. Auch hier können Schuldner ausfallen, Kurse sinken und ein vorzeitiger Verkauf schwierig sein. Bei Ausfall sind Verluste bis zum Totalverlust möglich. Ein höherer Zins nach Zielverfehlung hilft nicht, wenn der Schuldner nicht zahlen kann.

Erwirbt man mit der Anleihe direkt eine Solaranlage?

Das folgt aus der Bezeichnung nicht. Eine gewöhnliche Anleihe begründet einen Zahlungsanspruch gegen den Emittenten. Ob zusätzliche Sicherheiten bestehen, muss sich ausdrücklich aus den Unterlagen ergeben.

Welche Entscheidungshilfe ist am wichtigsten?

Trennen Sie zwei Prüfungen: „Passt der Nachhaltigkeitsansatz zu meinen Vorstellungen?“ und „Kann ich die finanziellen Risiken und die Bindung tragen?“ Erst nachvollziehbare Antworten auf beide Fragen ergeben ein brauchbares Gesamtbild.

Allgemeine Information für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland, keine individuelle Anlageberatung und keine Empfehlung eines bestimmten Produkts. Stand und Quellenprüfung: 3. Oktober 2026. Eigene Rechenbeispiele dienen ausschließlich der Erläuterung; sie sind keine Prognosen.

Quellen und weiterführende Informationen

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