0,5 oder 1,5 Prozent Kosten im Jahr: Der Abstand wirkt zunächst klein. Über 20 Jahre wird er im Anlagevermögen deutlich sichtbar. Entscheidend ist nicht nur, was jährlich abfließt, sondern auch, welches Geld anschließend nicht mehr mitwachsen kann.
Welche Annahmen stecken im Vergleich?
Wir vergleichen zwei rein hypothetische Anlagen mit jeweils 10.000 Euro Startkapital. Für beide setzen wir eine gleichbleibende jährliche Bruttorendite von fünf Prozent an. In Variante A ziehen wir vereinfacht jährlich 0,5 Prozentpunkte Kosten ab, in Variante B 1,5 Prozentpunkte. Daraus entstehen Modellraten nach Kosten von 4,5 beziehungsweise 3,5 Prozent.
Keine Prognose: Die fünf Prozent sind eine frei gewählte Rechenannahme, kein aktuelles Angebot und keine erwartbare oder garantierte Rendite. Tatsächliche Anlagen schwanken und können Verluste erleiden. Steuern, Inflation, Ein- und Auszahlungen sowie weitere Kosten werden hier nicht berücksichtigt.
Das Modell zieht Kosten als vereinfachte Renditeminderung ab. Reale Gebühren können anders berechnet, unterjährig belastet oder vom Anlagewert abhängig sein. Für eine tatsächliche Euro-Kostenrechnung gelten die jeweiligen Vertragsbedingungen.
Was bleibt nach einem, zehn und zwanzig Jahren?
Die Rechnung lautet: Startkapital × (1 + jährliche Modellrate)Jahre. Damit wird der Zinseszinseffekt berücksichtigt: Im Modell wachsen auch die in früheren Jahren erzielten Erträge weiter.
| Zeitraum | A: 4,5 % nach Kosten | B: 3,5 % nach Kosten | Abstand |
|---|---|---|---|
| 1 Jahr | 10.450,00 € | 10.350,00 € | 100,00 € |
| 10 Jahre | 15.529,69 € | 14.105,99 € | 1.423,71 € |
| 20 Jahre | 24.117,14 € | 19.897,89 € | 4.219,25 € |
Alle Werte sind gerundet; der Abstand wurde aus den ungerundeten Werten berechnet. Nach 20 Jahren liegen die Modell-Endwerte rund 4.219 Euro auseinander. Diese Differenz ist nicht einfach die Summe direkt gezahlter Gebühren. Sie enthält auch den entgangenen Zuwachs auf Geld, das wegen höherer Kosten nicht weiter angelegt blieb.
Warum heißt es „ein Prozentpunkt“ und nicht „ein Prozent“?
Von 0,5 auf 1,5 Prozent sind es ein Prozentpunkt Unterschied. Relativ zum ursprünglichen Kostensatz sind 1,5 Prozent dreimal so viel wie 0,5 Prozent. Wer diese beiden Ausdrucksweisen vermischt, kann die Größenordnung eines Preisvergleichs falsch verstehen.
Für das Anlageergebnis zählen sowohl der konkrete Kostensatz als auch seine Bezugsgröße. Ein Prozent eines wachsenden Vermögens ergibt im späteren Jahr einen anderen Eurobetrag als ein Prozent des Anfangskapitals. Lassen Sie sich Kosten deshalb zusätzlich in Euro für Ihren geplanten Betrag und Zeitraum zeigen.
Welche Kosten gehören in Ihren eigenen Vergleich?
Die Verbraucherzentrale unterscheidet unter anderem einmalige Erwerbskosten, laufende Verwaltungskosten und mögliche erfolgsabhängige Vergütungen. Je nach Anlage kommen etwa Depot-, Handels- oder gesonderte Vermögensverwaltungskosten hinzu. Nicht jeder einzelne Prozentwert im Werbeprospekt enthält bereits alles.
- Gleiche Leistung vergleichen: Stimmen Anlageart, Risiko, Laufzeit und Umfang der Betreuung überein?
- Einmalige Kosten getrennt notieren: Dazu können Ausgabeaufschläge oder Abschlussentgelte gehören.
- Jährliche Kosten vollständig erfassen: Prüfen Sie die aktuellen Produktinformationen und, bei bestehenden Anlagen, den Jahreskostenreport.
- Doppelzählungen vermeiden: Fragen Sie nach, welche Kosten in einer angegebenen Gesamtkostenquote bereits enthalten sind.
- Mit mehreren Entwicklungen rechnen: Lassen Sie auch schwächere oder negative Wertentwicklungen zu, statt nur ein freundliches Wachstumsszenario zu betrachten.
Ist das billigste Angebot automatisch das passendste?
Nein. Niedrigere Kosten beseitigen weder Kursrisiken noch Konzentration, lange Bindung oder ungeeignete Anlagebedingungen. Eine günstigere Anlage kann für einen anderen Zweck gebaut sein als das verglichene Produkt.
Kann eine teurere Anlage besser abschneiden?
Ja, das ist möglich. Ob zusätzliche Erträge die Mehrkosten künftig ausgleichen, steht aber nicht fest. Der Zahlenvergleich hält die Bruttorendite bewusst gleich, damit allein der Kostenunterschied sichtbar wird.
Was ist ein sinnvoller nächster Schritt?
Schreiben Sie für zwei tatsächlich vergleichbare Angebote alle Kosten auf eine Seite. Bitten Sie anschließend um eine Euro-Berechnung bei gleichem Anlagebetrag und gleicher Haltedauer. So diskutieren Sie einen überprüfbaren Preis statt einer vagen Renditeerwartung.
Allgemeine Information für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland, keine individuelle Anlageberatung und keine Empfehlung eines bestimmten Produkts. Stand und Quellenprüfung: 3. Oktober 2026. Eigene Rechenbeispiele dienen ausschließlich der Erläuterung; sie sind keine Prognosen.



