Bei einer Anleihe stehen oft zwei verschiedene Prozentzahlen: ein fester Zins und eine aktuelle Rendite. Das muss kein Widerspruch sein. Entscheidend ist, wie viel Sie für den Anspruch auf Zinsen und Rückzahlung bezahlen.
Was bedeuten Nennwert, Kupon und Kaufkurs?
Der Nennwert ist der Betrag, auf den sich bei einer gewöhnlichen festverzinslichen Anleihe der Zins bezieht. Der Kupon beschreibt diesen vereinbarten Zinssatz. Der Kurs sagt dagegen, zu welchem Preis die Anleihe gehandelt wird; er wird häufig in Prozent des Nennwerts angegeben.
Bei 1.000 Euro Nennwert und vier Prozent jährlichem Kupon beträgt die vereinbarte Jahreszahlung 40 Euro. Ein Kurs von 98 Prozent bedeutet einen reinen Kaufpreis von 980 Euro. Die Rendite berücksichtigt diesen tatsächlich eingesetzten Betrag und die vereinbarten späteren Zahlungen. Ob der Schuldner diese Zahlungen wirklich leisten kann, ist eine andere Frage.
Wie ergeben vier Prozent Kupon rund 6,12 Prozent Rendite?
Eigenes Modellbeispiel, kein reales Angebot: Eine einfache Anleihe wird genau ein Jahr vor Fälligkeit unmittelbar nach einem Zinstermin gekauft. Nennwert: 1.000 Euro. Kaufpreis: 980 Euro. Nach einem Jahr sind 40 Euro Zinsen und 1.000 Euro Rückzahlung vereinbart. Es fallen in dieser Modellrechnung keine Stückzinsen, Gebühren oder Steuern an; sämtliche Zahlungen werden vollständig und pünktlich geleistet.
(1.000 + 40 − 980) ÷ 980 × 100 = rund 6,12 Prozent
Zum Kupon von 40 Euro kommen 20 Euro Unterschied zwischen Kaufpreis und Rückzahlung hinzu. Zusammen sind das 60 Euro auf 980 Euro Einsatz. Weil der Zeitraum exakt ein Jahr beträgt, entspricht dies im Beispiel auch der Jahresrendite.
Bei einem Kaufpreis von 1.020 Euro wäre die Rechnung umgekehrt: 40 Euro Zinsen minus 20 Euro Unterschied zur Rückzahlung ergeben 20 Euro auf 1.020 Euro Einsatz, also rund 1,96 Prozent. Derselbe Kupon kann somit zu verschiedenen Renditen führen.
Wann reicht diese einfache Rechnung nicht aus?
Bei mehreren Jahren Restlaufzeit müssen die unterschiedlichen Zahlungszeitpunkte berücksichtigt werden. Den gesamten Gewinn einfach durch die Zahl der Jahre zu teilen liefert nicht die übliche finanzmathematische Rendite bis zur Fälligkeit. Dafür wird ein Zinssatz ermittelt, der den heutigen Preis mit den künftigen Zahlungen verknüpft.
Beim Kauf zwischen Zinsterminen können außerdem Stückzinsen hinzukommen: ein Ausgleich für bereits aufgelaufene Zinsen. Kauf- und Verkaufskosten verändern Ihre persönliche Rendite ebenfalls. Bei Fremdwährungen, variablen Zinsen, Kündigungsrechten des Emittenten oder besonderen Rückzahlungsbedingungen braucht es eine weitergehende Betrachtung. Die Formel oben ist hierfür nicht ausreichend.
Warum ist ein günstiger Kaufkurs kein Sicherheitsbeweis?
Ein niedrigerer Kurs kann beispielsweise auf ein gestiegenes Marktzinsniveau oder auf Zweifel an der Zahlungsfähigkeit des Schuldners reagieren. Die rechnerische Rendite steigt dann, obwohl das Risiko zugleich höher geworden sein kann. Ein vereinbarter Kupon schützt nicht vor Zahlungsausfall.
Die Modellrendite setzt vollständige Zahlung voraus. Fällt der Schuldner aus, können Zinsen und Rückzahlung teilweise oder ganz ausbleiben; ein Totalverlust ist möglich. Verkaufen Sie vor Fälligkeit, zählt der dann erzielbare Kurs. Er kann unter dem Kaufpreis liegen. Auch eine grüne Zweckbindung der Anleihe beseitigt diese Risiken nicht.
Welche fünf Angaben sollten Sie vor dem Vergleich prüfen?
- Preis: Ist der angezeigte Betrag der reine Kurswert oder schon der gesamte Kaufaufwand einschließlich Stückzinsen und Kosten?
- Laufzeit: Bis zu welchem Termin wurde die Rendite gerechnet? Gibt es eine frühere Kündigungsmöglichkeit?
- Zahlungen: Sind Zins und Rückzahlung fest, variabel oder an Bedingungen geknüpft?
- Schuldner: Wer muss zahlen, welchen Rang hat Ihre Forderung und welche Ausfallrisiken bestehen?
- Verkauf: Gibt es einen handelbaren Markt, und zu welchem Preis könnten Sie vorzeitig aussteigen?
Welche Prozentzahl gehört in den Vergleich?
Für vergleichbare Zahlungsströme ist die Rendite aussagekräftiger als der Kupon allein. Vergleichen Sie aber nur Berechnungen mit denselben Annahmen zu Zeitraum und Kosten. Risikounterschiede lassen sich nicht durch eine höhere Prozentzahl aufwiegen.
Allgemeine Information für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland, keine individuelle Anlageberatung und keine Empfehlung eines bestimmten Produkts. Stand und Quellenprüfung: 3. Oktober 2026. Eigene Rechenbeispiele dienen ausschließlich der Erläuterung; sie sind keine Prognosen.



