Warum Geldanlagen heute nicht nur rentabel, sondern auch umweltfreundlich sein können Die Diskussion um den Klimawandel hat längst breite Teile der Gesellschaft erreicht. Vor allem junge Menschen gehen mit der Fridays-for-Future-Bewegung auf die Straße und setzen sich für eine nachhaltigere Lebensweise ein. Doch nachhaltiges Handeln bedeutet mehr, als nur auf Bus, Bahn und Fahrrad umzusteigen…
Warum Geldanlagen heute nicht nur rentabel, sondern auch umweltfreundlich sein können
Die Diskussion um den Klimawandel hat längst breite Teile der Gesellschaft erreicht. Vor allem junge Menschen gehen mit der Fridays-for-Future-Bewegung auf die Straße und setzen sich für eine nachhaltigere Lebensweise ein. Doch nachhaltiges Handeln bedeutet mehr, als nur auf Bus, Bahn und Fahrrad umzusteigen oder regionale Produkte zu kaufen. Auch bei Geldanlagen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, ökologische und soziale Kriterien zu berücksichtigen.
1. Nachhaltige Geldanlagen: Eine Frage der Definition
In einer repräsentativen Umfrage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gaben 38 Prozent der Befragten an, bereits von „nachhaltigen Geldanlagen“ gehört zu haben. Aber was genau bedeutet „nachhaltig“? Jeder versteht darunter etwas anderes: Manche wollen lediglich bestimmte Branchen wie Erdöl oder Atomkraft ausschließen, andere möchten sicherstellen, dass Unternehmen faire Arbeitsbedingungen schaffen und Ressourcen schonen.
Tipp: Es ist sinnvoll, sich zunächst zu überlegen, welche persönlichen Werte und Kriterien Ihnen besonders wichtig sind. Danach können Sie gezielt nach Produkten suchen, die diesen Vorstellungen entsprechen.
2. Klimafreundliche Banken als Einstieg
Wer seine Kapitalanlagen Schritt für Schritt umstellen möchte, kann bei der eigenen Bank beginnen. Viele Finanzinstitute setzen mittlerweile auf ethische Grundsätze und legen Gelder bewusst in Projekten an, die Natur und Klima schonen.
Die Fachzeitschrift Finanztest (Stiftung Warentest) nennt unter anderem folgende Banken, die besonders hohe Nachhaltigkeitsstandards anlegen und beispielsweise Erdölförderung oder den Betrieb von Kohlekraftwerken ausschließen:
- GLS Bank
- ProCredit Bank
- Triodos Bank
- Umweltbank
Neben der Finanzierung ökologischer Projekte schließen diese Institute oft auch Rüstungsfirmen oder Unternehmen mit umstrittenen Arbeitspraktiken aus. Trotz ihrer alternativen Ausrichtung gelten dieselben gesetzlichen Einlagensicherungen wie bei herkömmlichen Banken – Kundeneinlagen sind also bis zu einem bestimmten Betrag abgesichert.
Tagesgeld und Festgeld: Kaum höhere Zinsen zu erwarten
Klimafreundliche Banken bieten zwar häufig Tages- und Festgeldkonten an, aber auch dort sind die Zinssätze durch das allgemeine Marktumfeld eher niedrig.
3. ETFs und Fonds mit grünem Fokus
Warum ETFs interessant sind
ETFs (Exchange Traded Funds) werden an der Börse gehandelt und bilden meist einen bestimmten Aktienindex ab. Da sie nur passiv verwaltet werden, sind die Gebühren oft geringer als bei aktiv gemanagten Fonds. Nach Angaben des ETF-Anbieters Lyxor flossen im Mai 2019 rund 50 Prozent aller ETF-Gelder in nachhaltige Fonds – ein beachtlicher Wert angesichts des noch kleinen Marktanteils grüner Investments.
Zwei global investierende ETFs, die von Finanztest empfohlen werden, sind:
- iShares DJ Global Sustainability Screened ETF
- UBS MSCI World Socially Responsible ETF
Wer zusätzlich auf eine bessere Klimabilanz achtet, kann etwa in den Amundi Global Low Carbon ETF investieren.
Aktiv gemanagte Fonds als Alternative
Aktiv verwaltete Fonds können Nachhaltigkeitskriterien mitunter noch gezielter umsetzen. Ein Beispiel:
- Triodos Global Equities Impact
Zu den bekanntesten nachhaltigen Aktienfonds zählen zudem der Ökoworld Klima, der GLS Bank Aktienfonds und der Steyler Fair Invest. Sie legen Wert auf transparente Berichte, damit Anleger nachvollziehen können, wie das investierte Geld Umwelt- und Sozialbelange tatsächlich beeinflusst.
4. Nachhaltig investieren ohne Renditeverlust?
Viele Menschen nehmen an, dass sie für „grüne“ Geldanlagen auf Gewinn verzichten müssen. Tatsächlich unterscheiden sich die Renditechancen solcher Investments jedoch oft kaum von konventionellen Produkten. Laut der BaFin-Umfrage wären zwar 38 Prozent der Befragten bereit, eine geringere Rendite in Kauf zu nehmen, um der Umwelt zu helfen – doch das ist in vielen Fällen gar nicht nötig.
5. Risiken bleiben: Nachhaltigkeit ist kein Garant für Sicherheit
Auch nachhaltige Anlagen sind Marktschwankungen und Risiken unterworfen. Kritisch ist beispielsweise der Begriff „grün“ oder „öko“, denn dieser ist nicht geschützt. Anleger sollten deshalb genau prüfen, in welche Projekte und Unternehmen sie investieren.
Vorsicht:
- Hochverzinste „Öko-Anleihen“ können verlockend klingen, bergen aber teils ein hohes Ausfallrisiko.
- Direkte Beteiligungen an Waldflächen, Wind- oder Solaranlagen gelten häufig als sehr nachhaltig, können jedoch bei schlechtem Projektverlauf zu Totalverlusten führen.
Aufgrund der aktuellen Diskussionen glauben viele (laut BaFin rund 50 Prozent), dass nachhaltige Geldanlagen automatisch sicherer seien. Das stimmt so nicht – gründliche Recherche und ein Blick in die Produktunterlagen bleiben unerlässlich.
6. Regionale Angebote in Betracht ziehen
Nicht jeder möchte gleich die Hausbank wechseln. Fragen Sie bei Ihrer regionalen Bank nach, ob es dort zum Beispiel Klima-, Umwelt- oder Öko-Sparbriefe gibt. Diese unterstützen üblicherweise nachhaltige Initiativen vor Ort. Aufgrund der niedrigen Zinsen ist das Angebot allerdings oft begrenzt.
Fazit
Wer sein Kapital für bessere Umwelt- und Sozialstandards einsetzen möchte, hat heute eine Vielzahl von Möglichkeiten. Von ethisch ausgerichteten Banken über grüne ETFs bis hin zu streng nachhaltigen Aktienfonds – für nahezu jedes Risikoprofil und jeden Anlagehorizont gibt es passende Produkte. Wichtig ist, sich über die individuellen Konzepte zu informieren, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Richtig umgesetzt, lassen sich persönliches Engagement für die Umwelt und lukrative Renditechancen durchaus miteinander verbinden.